Wildtieren in Not richtig helfen

Wodurch geraten Wildvögel in Gefahr?

Gefahr durch Lebensraumverlust

Im unserem dicht besiedelten Land beanspruchen wir Menschen immer mehr Platz, der  anderen Lebewesen zum Leben fehlt. Der Flächenfraß ist gewaltig. Jeden Tag werden in Deutschland ca. 70 ha Natur- und Landschaftsflächen versiegelt, das heißt zu Siedlungs- oder Verkehrsflächen umgebaut. Das ist eine Fläche, die in etwa so groß ist, wie der Wildpark Eekholt. Für viele Wildtiere ist in den neu gebauten Wohn- oder Gewerbegebieten kein Platz mehr. Straßen, die die Landschaft durchziehen, werden für sie zu einer großen Gefahr.

Gefahr durch Straßen- und Schienenverkehr

Mehr und mehr Straßen und Bahntrassen durchziehen heute die Landschaft. Es gibt Millionen von Autos auf Deutschlands Straßen und Züge fahren immer schneller. Trotz ihrer hervorragenden Sinne können Wildvögel sich auf die hohen Geschwindigkeiten nicht einstellen und stoßen deshalb immer wieder mit Autos oder Bahnen zusammen. Oft endet das tödlich. Überfahrene Wildtiere, die auf der Straße oder Schiene liegengelassen werden, locken weitere Wildtiere an und werden für sie zur Todesfalle.

Fotos Mitte & rechts: Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein

Gefahr durch Windkraftanlagen

Rotierende Windkraftanlagen stellen besonders für größere Wildvögel (Seeadler, Rotmilan) ein enormes Risiko dar. Jeder vierte Seeadler in Schleswig-Holstein stirbt durch die Kollision mit einem Windrad. Der Tod durch Windkraftanlagen ist damit inzwischen eine der Haupttodesursachen bei unseren Adlern. Nur rotorlose Windkraftanlagen (z.B. Windsäulen) können hier auf Dauer wirklich Abhilfe schaffen. Bis diese ausreichend marktreif sind, sollten Windkraftanlagen (WKA) nur an Standorten aufgestellt werden, wo sie keine Gefahr für Vögel darstellen. Aus Vogelschutzsicht ist es besser an wenigen geeigneten Standorten viele Windräder aufzustellen, als die Landschaft flächendeckend mit WKA zu verspargeln.

Gefahr durch Hochspannungsleitungen

Viele Vögel nutzen Hochspannungsleitungen, um gerne mal ein Päuschen zu machen. Solange sie mit allen Körperteilen nur eine Leitung berühren, ist das völlig ungefährlich. Wenn Wildvögel aber die Trennung zwischen Stromleitung und Boden überbrücken (z.B. in dem sie mit ihrem Flügel den Strommast berühren, während sie noch auf dem Leiterseil sitzen), dann fließen große Strommengen durch ihren Körper, was zum Tode führen kann.

Foto Mitte: Dr. PD Kerstin Müller

Gefahr durch Gifte

Ein erheblicher Teil der Wildvögel, die in Menschenhand geraten, leidet an einer Vergiftung. Mehr als ein Viertel aller Seeadler, die zwischen den Jahren 2000 und 2016 in die Pflegestation des Wildparks Eekholt eingeliefert wurden, waren vergiftet. Die Vergiftungen werden meist unbeabsichtigt, manchmal aber auch mutwillig, herbeigeführt. Hauptsächlich vergiften sich die Seeadler durch Pestizide (z.B. Organophosphate, Karbamate) oder Blei (durch Jagdmunition oder Angelblei). Aber auch Schädlingsbekämpfungsmittel  wie  Zinkphoshit oder Cumarinderivate, die zur "Bekämpfung" von Wühlmäusen oder Ratten gerne und viel verwendet werden, rufen Vergiftungen bei Wildvögeln hervor. Die Greifvögel vergiften sich u.a. dadurch, dass sie vergiftete Mäuse oder Ratten erbeuten und fressen. Das Unsinnige an der "Nagerbekämpfung" durch Gift ist: Menschen meinen, dass sie durch das Ausbringen von Giften den durch Nagetiere verursachten Schaden an der Ernte oder im Garten klein halten können. Leider machen sie sich selbst einen Strich durch die Rechnung, weil sie durch das Gift auch die natürlichen Feinde der Nager (z.B. Eulen) in Gefahr bringen. Zur Erinnerung: ein einzelnes Schleiereulenpaar mit ca. 4-6 Jungen vertilgt pro Tag bis 30- 40 Mäuse (das sind bis zu 10000 Mäuse im Jahr). Es ist wesentlich effektiver und nachhaltiger Eulenkästen an Haus und Hof anzubringen als für teures Geld Gift zu kaufen.

Gefahr durch Zäune

Die Landschaft von Schleswig-Holstein ist in hohem Maße mit Zäunen durchzogen. Wildvögel verletzen sich vor allem an Stacheldraht. Besonders Eulen und Weihen, bleiben an dem tückischen Draht hängen und zerfetzen sich die Flügel derart, dass sie meist nur noch eingeschläfert werden können. Das Tragische: Oft hat der Stacheldraht nicht einmal mehr einen Sinn und wurde nur in der Landschaft vergessen. 

Foto Uhu: Wildtierstation HH/SH