Wildtieren in Not richtig helfen

Besondere Pflegefälle in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt

Bleivergifteter Seeadler aus der Schaalsee-Region 2015/16

Am 27.12.2015 fanden Spaziergänger im Biosphärenreservat „Schaalsee“ einen kranken Seeadler. Der 25 Jahre alte Adler  wurde zunächst zur Seeadlerspezialistin PD Dr. Kerstin Müller nach Berlin gebracht. Das hat ihm vermutlich das Leben gerettet, denn der Vogel litt an einer schweren Bleivergiftung. Bleivergiftungen sind eine häufige Todesursache bei Seeadlern. Sie werden dadurch ausgelöst, dass die Adler Reste von bleihaltiger Jagdmunition mit der Nahrung aufnehmen. Schon winzige Bleisplitter genügen, um schwere zentralnervöse Störungen auszulösen und Organe zu zerstören. In der Kleintierklinik der FU Berlin hat man viel Erfahrung mit der Behandlung von bleivergifteten Adlern. Fast einen Monat lang kämpfte die Tierärztin und ihr Team um das Leben des Adlers- mit Erfolg. Ende Januar konnte der Adler die Klinik in Berlin verlassen.

Allerdings war er von der Vergiftung noch zu geschwächt um gleich ausgewildert werden zu können. Deshalb wurde der Vogel am 24. 01.2016 in den Wildpark Eekholt gebracht, wo er sich in der eigens für solche Pflegefälle gebauten Seeadlervoliere der Projektgruppe Seeadlerschutz SH erholen konnte. Diese Trainingsvoliere für Seeadler ist einzigartig in Norddeutschland. Unter der Obhut von Wildparktierärztin Dr. Elvira v. Schenck konnte sich der Adler durch ein gezieltes Flugtraining und spezielle Fütterung vier Wochen lang vollständig von seiner schweren Vergiftung erholen.  Am 25.02.2016 wurde der Adler wieder im Biosphärenreservat Schaalsee in die Freiheit entlassen. Erstmals ist es damit gelungen einen bleivergifteten Seeadler aus Schleswig-Holstein, wieder zu kurieren. Alle anderen bleivergifteten Adler hatten so schwere Organschäden, dass sie leider der Vergiftung erlagen. 


 

Turmfalke mit Unterarmbruch 2016/17

Im November 2016 kam ein Turmfalkenweibchen in die Pflegestation des Wildparks Eekholt. Es hatte sich einen Unterarmknochen gebrochen und war flugunfähig bei Nortorf (RD) aufgefunden worden. In der Pflegestation wurde der Turmfalke untersucht und der Flügel für mehrere Wochen ruhig gestellt. Aufgrund des Verbringungsverbotes im Zuge der Vogelgrippe musste der kleine Greifvogel leider länger als nötig in der Vogelpflegestation verbleiben. Aber dank der tollen neuen Trainingsvoliere für Falken, die letztes Jahr in der Pflegestation errichtet wurde, konnte er den Winter wunderbar überstehen und in bester Kondition im Frühjahr 2017 wieder ausgewildert werden. Wir wünschen der Turmfalkendame alles Gute.

 

Seeadler mit Zinkvergiftung

Kurz vor Weihnachten 2015, wurde im Kreis Dithmarschen ein junger Seeadler flugunfähig aufgegriffen und zur Wildtierärztin Dr. Elvira v. Schenck vom Freien Institut für Wildtierschutz/ Wildpark Eekholt gebracht.  Der Adler zeigte alle Anzeichen einer schweren Vergiftung. Laboruntersuchungen ergaben, dass im Blut des Adlers eine toxische Zinkkonzentration von 112,3 µmol/l vorlag. Der Grenzwert wurde damit um mehr als 280% überschritten. Zinkvergiftungen werden zum Beispiel durch die Aufnahme von Wühlmausgift (Zinkphosphid) ausgelöst. Erst wenige Wochen zuvor starben in der Nähe von Wismar rund 150 Wildgänse an diesem Gift, das ein Landwirt unsachgemäß ausgebracht hatte. Auch im Fall des Adlers liegt es nahe, dass er Zinkphosphid aufgenommen hatte. Wahrscheinlich hatte er ein vergiftetes Beutetier gefressen. Durch das Gift war der junge Adler stark ausgetrocknet und vollkommen geschwächt. Außerdem wies er schwere zentralnervöse Störungen und einen großen Blutverlust auf. Im Röntgenbild fanden sich winzige röntgendichte Teilchen im Magen des Vogels, zu klein, um sie entfernen zu können. Sofort wurde eine Infusionstherapie eingeleitet und ein Antidot verabreicht.  In den nächsten Tagen wurde der junge Adler rund um die Uhr betreut und behandelt. Einen Tag vor Heiligabend gab es zunächst Hoffnung, dass sich der Zustand des jungen Adlers stabilisiert hatte, aber am 1. Weihnachtstag wurde dann deutlich, dass es kein kleines Weihnachtswunder geben würde: Durch das Gift war der Verdauungstrakt des Adlers so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er kurze Zeit später verendete.

 

Die tragische Geschichte dieses jungen Adlers zeigt einmal mehr, wie gefährlich es ist, Gift in die Umwelt auszubringen. Über ein Viertel der Seeadlerpfleglinge, die in 16 Jahren in Schleswig-Holstein aufgegriffen wurden, waren vergiftet. Gift gehört nicht in die Umwelt! Es ist unkontrollierbar was mit solchen hochtoxischen Substanzen geschieht, die nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Haustiere und Menschen tödlich sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Einsatz und die Herstellung von Giften wie Zinkphosphid in naher Zukunft verboten werden. Bis dahin appellieren wir an die Vernunft der Bürger, kein Gift mehr in die Umwelt auszubringen.

 

Mehr über aktuelle Pflegefälle in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt erfahren Sie auf den Lehrschautafeln vor Ort im Wildpark Eekholt