Wildtieren in Not richtig helfen

Besondere Pflegefälle in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt

Bleivergifteter Seeadler aus der Schaalsee-Region 

Spaziergänger fanden im Biosphärenreservat „Schaalsee“ einen kranken Seeadler. Der Vogel litt an einer schweren Bleivergiftung. Bleivergiftungen sind eine häufige Todesursache bei Seeadlern. Sie werden dadurch ausgelöst, dass die Adler Reste von bleihaltiger Jagdmunition mit der Nahrung aufnehmen. Schon winzige Bleisplitter genügen, um schwere zentralnervöse Störungen auszulösen und Organe zu zerstören. Fast einen Monat lang kämpften die Tierärzte und Tierpfleger um das Leben des Adlers- mit Erfolg. Ende Januar konnte der Adler in die große Trainingsvoliere im Wildpark Eekholt einziehen.

Der Vogel war von der Vergiftung noch zu geschwächt, um gleich ausgewildert werden zu können. In der eigens für solche Pflegefälle gebauten Seeadlervoliere der Projektgruppe Seeadlerschutz SH konnte er sich nun erholen. Diese Trainingsvoliere für Seeadler ist einzigartig in Norddeutschland. Unter der Obhut von Wildparktierärztin Dr. Elvira v. Schenck konnte sich der Adler durch ein gezieltes Flugtraining und spezielle Fütterung vier Wochen lang vollständig von seiner schweren Vergiftung erholen.  Einige Wochen später wurde der Adler wieder im Biosphärenreservat Schaalsee in die Freiheit entlassen. Erstmals ist es damit gelungen einen bleivergifteten Seeadler aus Schleswig-Holstein, wieder zu kurieren. Viele andere bleivergiftete Adler haben oft so schwere Organschäden, dass sie leider der Vergiftung erliegen. 

 


 

Turmfalke mit Unterarmbruch 

Im Herbst eines Jahres kam ein Turmfalkenweibchen in die Pflegestation des Wildparks Eekholt. Es hatte sich einen Unterarmknochen gebrochen und war flugunfähig bei Nortorf (RD) aufgefunden worden. In der Pflegestation wurde der Turmfalke untersucht und der Flügel für mehrere Wochen ruhig gestellt. Aufgrund des Verbringungsverbotes im Zuge der Vogelgrippe musste der kleine Greifvogel leider länger als nötig in der Vogelpflegestation verbleiben. Aber dank der tollen neuen Trainingsvoliere für Falken, die letztes Jahr in der Pflegestation errichtet wurde, konnte er den Winter wunderbar überstehen und in bester Kondition im folgenden Frühjahr wieder ausgewildert werden. 

 

Seeadler mit Zinkvergiftung

Einmal wurde im Kreis Dithmarschen ein junger Seeadler flugunfähig aufgegriffen und zur Wildtierärztin Dr. Elvira v. Schenck vom Freien Institut für Wildtierschutz/ Wildpark Eekholt gebracht.  Der Adler zeigte alle Anzeichen einer schweren Vergiftung. Laboruntersuchungen ergaben, dass im Blut des Adlers eine toxische Zinkkonzentration von 112,3 µmol/l vorlag. Der Grenzwert wurde damit um mehr als 280% überschritten. Zinkvergiftungen werden zum Beispiel durch die Aufnahme von Wühlmausgift (Zinkphosphid) ausgelöst. Erst wenige Wochen zuvor starben in dem Jahr in der Nähe von Wismar rund 150 Wildgänse an diesem Gift, das ein Landwirt unsachgemäß ausgebracht hatte. Auch im Fall des Adlers liegt es nahe, dass er Zinkphosphid aufgenommen hatte. Wahrscheinlich hatte er ein vergiftetes Beutetier gefressen. Durch das Gift war der junge Adler stark ausgetrocknet und vollkommen geschwächt. Außerdem wies er schwere zentralnervöse Störungen und einen großen Blutverlust auf. Im Röntgenbild fanden sich winzige röntgendichte Teilchen im Magen des Vogels, zu klein, um sie entfernen zu können. Sofort wurde eine Infusionstherapie eingeleitet und ein Antidot verabreicht.  In den nächsten Tagen wurde der junge Adler rund um die Uhr betreut und behandelt. Einen Tag vor Heiligabend gab es zunächst Hoffnung, dass sich der Zustand des jungen Adlers stabilisiert hatte, aber am 1. Weihnachtstag wurde dann deutlich, dass es kein kleines Weihnachtswunder geben würde: Durch das Gift war der Verdauungstrakt des Adlers so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er kurze Zeit später verendete.

 

Die tragische Geschichte dieses jungen Adlers zeigt einmal mehr, wie gefährlich es ist, Gift in die Umwelt auszubringen. Über ein Viertel der Seeadlerpfleglinge, die in 22 Jahren in Schleswig-Holstein aufgegriffen wurden, waren vergiftet. Gift gehört nicht in die Umwelt! Es ist unkontrollierbar was mit solchen hochtoxischen Substanzen geschieht, die nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Haustiere und Menschen tödlich sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Einsatz und die Herstellung von Giften wie Zinkphosphid in naher Zukunft verboten werden. Bis dahin appellieren wir an die Vernunft der Bürger, kein Gift mehr in die Umwelt auszubringen.

 

Mehr über aktuelle Pflegefälle in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt erfahren Sie auf den Lehrschautafeln vor Ort im Wildpark Eekholt